Von Peter Killert.
Es liegt vermutlich auch an der Jahreszeit. Aber nein, ich war ja nicht besonders schnell. THE NATIONAL haben ihr neuestes Werk TROUBLE WILL FIND ME bereits im Frühsommer veröffentlicht. Melancholie des herannahenden Herbstes - das passt ja dann nicht so ganz. Vermutlich ist es so: THE NATIONAL liefern die Melancholie passend zu jeder Jahreszeit.
Ich weiß nicht mehr, welcher Zufall mich zu THE NATIONAL geführt hat. Vermutlich in einer Musikzeitschrift, auf einer Webseite, irgendwo ein Artikel bei einer Newcomer Empfehlung. THE NATIONAL wurde dort als derzeit beste amerikanische Indie-Band angepriesen.
Und auch NEWCOMER passt nicht so ganz. Es gibt die Band bereits seit 1999 und dieses aktuelle Album ist bereits das sechste. Aber erst mit dem Album HIGH VIOLET aus dem Jahr 2010 sind THE NATIONAL auch nach Europa geschwappt.
Ihr Musikstil ist der Indierock. Sie erinnern ein bisschen an Joy Division. So als hätte Ian Curtis seine Depression überstanden. Die Musik wird von einem schwarzen, düsteren Farbton begleitet. Aber nach mehrmaligem Hören bin ich zu der Überzeugung gekommen, dass dies weder an den Texten, noch an der Musik selbst liegen kann. Es liegt an der Tonlage des Sängers. Sie ist leise, ruhig und anmutig bedächtig. Das Mikro muss immer ganz nahe an den Mund. Niemals könnte Matt Berninger laut singen. Er ist angewiesen auf die Dramaturgie der Musik, die seine Stimme hebt und mitreißt.
Der Musik ist eine tiefe Lethargie zu eigen. Das Grundschema, die Ruhe wird so sehr in Nuancen variiert, dass man als Hörer das Gefühl hat, hier etwas Besonderes zu hören. Was zunächst wirklt, als würde ein Motiv ständig wiederholt offenbart sich als großer Variantenreichtum. Wie der Titel ihres zweiten Albums zu sagen scheint: "Sad Songs For Dirty Lovers". Melancholie, nur ein kurzer Prozess und nur eine Variante. Dann zurück zum Wesentlichen. Tanzbar, träumbar - passend für einen Herbstabend, wenn es wieder früher dunkel wird. Sicher auch passend für laue Sommerabende, untermalbar mit Vogelgezwitscher im Frühling. Wärmend in einer S-Bahn im Winter, nach dem man Ewigkeiten auf den Zug gewartet hat.
HIGH VIOLET war ein Meisterwerk. Es ist schwer dort Titel herauszuheben. TROUBLE WILL FIND ME schliesst da nahtlos an. Keine große Weiterentwicklung - aber warum auch? THE NATIONAL waren noch nicht fertig mit der in HIGH VIOLET angefangenen Geschichte. Es sind die Geschichten, von denen man nicht merkt, wann sie zu Ende erzählt werden. Noch ein Kapitel, noch ein Epos hinterher. Deswegen kehren die Jahreszeiten ja auch immer wieder - sie sind die Untermalung zur Musik von THE NATIONAL. Oder ist es umgekehrt? Ich nehme die Stöpsel aus den Ohren. Ich weiß es wirklich nicht mehr.
DIE ZEIT über TROUBLE WILL FIND ME.

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